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Barrierefreie Öffentlichkeit

Filed under: Webwriting — rm @ 19. September 2005

Barrierefreiheit? Schon wieder ein New-Media-Modewort? Die Zeit der pseudowitzigen Sprüche, beispielsweise wo das Internet denn Stufen habe, sind zwar schon lange vorbei, doch der Begriff reduziert das Thema meist nur auf den behindertenpolitischen Teilaspekt.

Dies in Verbindung mit schwer verständlichen technischen und juristischen Anforderungen erzeugt bei vielen Menschen zunächst Verwirrung und eine Abwehrhaltung. Der erste Schritt muss daher eine Sensibilisierung für vorhandene Barrieren sein, die es für Menschen mit Behinderungen, Senioren und vermeintliche Normalsurfer gibt. Oftmals sind es auch einfach nur technische Hürden, die den Nutzern den Zugang zu dem Informationsangebot verwehren.

Der zweite Schritt bringt Verständnis für unterschiedliche Dimensionen der Barrierefreiheit:

Standardkonformität, also valider HTML-Code und CSS-Design als Fundament für barriere-ärmere Websites.

Zugänglichkeit (Accessibility) berücksichtigt die Realität unterschiedlicher Nutzergruppen und Nutzungsmöglichkeiten wie verschiedene Browser und Betriebssysteme, unterschiedliche Bandbreiten, Monitorgrößen und Endgeräte, verschiedene Ausgabeformen und vor allem individuelle sensorische, motorische oder kognitive Einschränkungen.

Usability: Eine wesentliche unterschätzte Barriere stellt die mangelnde Gebrauchstauglichkeit vieler Internetauftritte dar. Wichtige Aspekte sind nachvollziehbare Navigation, klare Orientierung, konsistente Nutzerführung oder bedürfnisorientierte Einstiege.

Verständlichkeit / Einfache Sprache: Barrieren können nicht nur technischer, sondern auch inhaltlicher Natur sein und führen nicht selten zu Frustration und Transaktionsabbruch.

Design: In der öffentlichen Wahrnehmung wird Barrierefreiheit oft mit „blindengerecht“ gleichgesetzt und fälschlich als langweilig, normiert, textlastig, designfrei angesehen. Vergessen wird dabei die wichtige vermittelnde Rolle von Design, die strukturierende Funktion von Typographie, Zeilen- und Textlänge, selbsterklärenden Symbolen oder einer emotionalen Ansprache.

Und welche Vorteile bietet nun die Barrierefreiheit dem Informationsanbieter? Kurz gesagt: Bessere allgemeine Zugänglichkeit, Offenheit für unterschiedliche Nutzer, Nutzungskontexte sowie Endgeräte und nicht zuletzt Reichweitenmaximierung. Während die einen vom profitablen Surfer träumen, mahnen die anderen, dass behinderte Menschen die Avantgarde einer alternden Gesellschaft sind. Doch Barrierefreiheit sollte auch im Zusammenhang mit Suchmaschinenoptimierung gesehen werden. Denn jeder Internetnutzer hat einen „behinderten Freund“. Die Suchmaschine ist blind und taub, sie spricht keine Sprache. Pop-Ups, Flash-Intros und Frames verstoßen gegen die Grundsätze der Suchmaschinen, dagegen werden klare Strukturen und semantisch korrekte Auszeichnungen und Metainformationen honoriert. Barrierearme Seiten werden daher besser und von mehr Menschen gefunden!